Barrierefrei Reisen

Ob entspannter Badeurlaub am Meer oder Entdeckungstour durch herrliche Landschaften, die Reiseziele für den Urlaub sind vielfältig. Auch wenn die Vorbereitungen für körperlich eingeschränkte Personen je nach Urlaubsort mit einigem Planungsaufwand verbunden sind, überwiegt meist die Vorfreude auf die anstehende Erholung. Dieser Beitrag soll Menschen mit Gehbehinderungen helfen, die richtigen Vorbereitungen für die Reise zu treffen und klärt auf, welche Normen und Richtlinien zur Barrierefreiheit seitens der Unterkünfte und Reiseveranstalter einzuhalten sind.

Barrierefrei Reisen, Rollstuhl, Strand. Foto: Iris Woldt/panthermedia.net
Barrierefreies Reisen muss nicht stressig sein.
Foto: Iris Woldt/panthermedia.net

Normen und Gesetze

Barrierefreiheit in Deutschland

Seit 2002 regelt das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (Behindertengleichstellungsgesetz - BGG) in Deutschland die Beseitigung von Benachteiligungen für Menschen mit Behinderung. Unter anderem umfasst das Gesetz die Herstellung von Barrierefreiheit in den Bereichen Bau und Verkehr (§ 8 BGG) und stellt damit die wichtigste Gesetzesgrundlage für öffentliche Bauten dar. Zudem existiert die DIN-Norm 18024-1 als wichtigste Orientierung für barrierefreies Bauen. Dieser Standard stellt allerdings lediglich eine Empfehlung dar und besitzt keine gesetzlich wirksame Kraft.

Vorschriften zum Thema Barrierefreiheit in Europa

Wer in Europa verreist, kann nicht in jedem Land mit den gleichen Standards bezüglich der Barrierefreiheit rechnen wie in Deutschland. So haben nur noch die Schweiz, Österreich, Spanien und Großbritannien ein unmittelbares Gesetz zur Behindertengleichstellung. Darüber hinaus bieten diverse europaweite Normen eine Orientierungshilfe. Die ISO-Norm 21542:2011 regelt europaweit bauliche Empfehlungen für Konstruktionen, unter anderem für die Mindestmaße von Rampen (Breite: mindestens 1,20 Meter, Weite: mindestens 1,00 Meter). Ebenso besteht ein „Europäisches Konzept für Zugänglichkeit“, dieses hat jedoch genau wie die ISO-Norm keine gesetzliche Gültigkeit.

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Kann die Unterkunft barrierefrei erreicht werden?
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Planung einer Reise mit Gehbehinderung

Barrierefreiheit in der Unterkunft

Wer gehbehindert ist und eine Reise plant, darf bei der Buchung des Fluges und der Unterkunft nicht nur den Preis und den persönlichen Geschmack berücksichtigen. Zusätzlich müssen Betroffene Vorkehrungen treffen, um sicherzustellen, dass sie das gewünschte Reiseziel möglichst barrierefrei erkunden können. Aus diesem Grund gilt es, eine barrierefreie Ferienwohnung oder ein barrierefreies Hotel auszuwählen. Im März 2005 wurde von Behinderten- und Hotelverbänden eine Zielvereinbarung mit dem Titel „Standardisierte Erfassung, Bewertung und Darstellung barrierefreier Angebote in Hotellerie und Gastronomie“ unterzeichnet. Darin sind beispielsweise folgende Anforderungen an Unterkünfte für Menschen mit Gehbehinderung einheitlich geregelt:

Diese Regelungen gelten jedoch nur für Ferienunterkünfte in Deutschland.

Um eine barrierefreie Unterkunft zu finden, können bei ferienwohnung.com Ergebnisse entsprechend gefiltert werden. Dazu einfach das gewünschte Reiseziel sowie Personenanzahl und Datum angeben und danach unter besondere Eignung „Rollstuhlgerecht“ auswählen.

Barrierefreiheit im Flugzeug

Laut EU-Verordnung haben Passagiere mit eingeschränkter Mobilität ein Beförderungsrecht und dürfen von der Fluggesellschaft und dem Flughafenbetreiber nicht abgelehnt werden. Des Weiteren sieht das Beförderungsrecht einen Anspruch auf unentgeltliche Unterstützung vom Check-In bis zur Ankunft am Zielort vor. Aus diesem Grund sollten körperlich eingeschränkte Personen der Fluglinie mindestens 48 Stunden vor dem Flug ihre Gehbehinderung mitteilen. Es ist empfehlenswert, in diesem Zusammenhang ein ärztliches Zeugnis vorzulegen. So kann die Fluggesellschaft besser auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen eingehen. Außerdem ist zu klären, ob gehbehinderte Fluggäste ihren eigenen Rollstuhl während des Flugs nutzen können oder ob sie diesen gegen einen bordeigenen austauschen müssen. Falls der eigene Rollstuhl nicht an Bord des Flugzeugs verwendet werden kann, wird er kostenlos im Gepäckraum transportiert. Handelt es sich um einen elektrisch betriebenen Rollstuhl, dürfen Gel-, Trocken- oder Nassbatterien im Rollstuhl verbleiben. Lediglich die Pole müssen durch Klebestreifen isoliert werden, um einen versehentlichen Kurzschluss zu verhindern.

Zu den unentgeltlichen Leistungen der Fluggesellschaft oder des Flughafens für körperlich eingeschränkte Personen zählen unter anderem Hilfe beim Transport und bei der Aufnahme des Gepäcks, Hilfe bei der Pass- und Sicherheitskontrolle sowie ein Abhol- und Bring-Service, beispielsweise vom Bahnhof zum Flughafen. Der Transport von Zuhause muss hingegen im Regelfall bei einer externen Firma mit Spezialisierung auf Behindertentransporte beauftragt werden.

Nicht immer sind die Bordtoiletten eines Flugzeugs behindertengerecht gestaltet. Allerdings garantieren einige Fluggesellschaften, wie beispielsweise Lufthansa, barrierefreie Toiletten auf allen Langstreckenflügen. Es empfiehlt sich, je nach Airline und Abflugs- sowie Zielort genauere Informationen einzuholen.

Barrierefreiheit in der Bahn

In Deutschland ist der Eisenbahnverkehr fast vollständig von der Deutschen Bahn abgedeckt. Generell können Menschen mit Schwerbehindertenausweis alle Nahverkehrszüge kostenlos nutzen. Das gilt für Züge mit dem Kürzel S, RB, RE und IRE. Fernverkehrszüge (IC, ICE, CE) sind nicht mit einbegriffen.

Barrierefrei Reisen, Bus, Bahn. Foto: Rüdiger Rebmann/panthermedia.net
Bus und Bahn bieten Betroffenen Hilfestellungen.
Foto: Rüdiger Rebmann/panthermedia.net

Die Mobilitätsservice-Zentrale der Deutschen Bahn kümmert sich um alle Fragen rund um das barrierefreie Reisen. Reisende mit Gehbehinderung sollten diese als ersten Anlaufpunkt wahrnehmen, wenn es um die Buchung der Zugfahrt geht. Die Service-Mitarbeiter helfen, eine Zugverbindung mit möglichst wenigen Umstiegen zu finden. Des Weiteren stellen die Mitarbeiter der Mobilitätsservice-Zentrale Menschen mit Gehbehinderung Servicepersonal für die Zugfahrt zur Seite, das beim Ein- und Ausstieg. Um diesen Dienst in Anspruch nehmen zu können, sollten Betroffene ihre Bahnreise mindestens einen Tag vorher anmelden. Grundsätzlich ist dies bis 20 Uhr des Vorabends über Telefon, E-Mail, Fax und online möglich.

Um sich mit dem Rollstuhl in den Zügen der Deutschen Bahn bewegen zu können, darf dieser die Maße von 1,25 x 0,80 Meter nicht überschreiten. Außerdem können je nach Zugtyp und entsprechendem Hublift ausschließlich Rollstühle von 250 bis 350 Kilogramm verladen werden. Zudem bietet die Bahn einen Gepäckservice an, der sowohl das Tragen und Abholen sowie das Vorausschicken und Aufbewahren des Gepäcks an Bahnhöfen vorsieht.

Checkliste: Barrierefreies Reisen

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