Urlaubstipps und Pollenflugkalender für Allergiker

Endlich ist er da, der langersehnte Urlaub. Kaum am Ferienort angekommen, passiert es: Die Nase läuft, die Augen tränen – und die Pollenallergie schlägt voll zu. Das muss nicht sein. Wer seinen Urlaub möglichst allergiefrei genießen möchte, sollte vorab recherchieren, an welchem Ort und zu welcher Zeit die Beschwerden am geringsten ausfallen würden. Ein Pollenflugkalender bietet hierbei eine gute Orientierung.

Etwa jeder dritte Deutsche leidet unter einer Allergie. Dieser Begriff fasst eine Vielzahl von Krankheitssymptomen zusammen, die mit einer übermäßigen Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte Umweltstoffe einhergeht. Die Symptome fallen sehr unterschiedlich aus. Bei manchen Allergikern reagieren beispielsweise die Atemwege, bei anderen unter anderem die Haut oder der Verdauungstrakt. Die am weitesten verbreitete Allergie ist der Heuschnupfen. Sie äußert sich durch eine Reaktion der Schleimhäute im Mund- und Nasenbereich und geht mit Schwellungen, Juckreiz und tränenden Augen einher. Ähnlich machen sich Allergien gegen Hausstaubmilben und Tierhaare bemerkbar. Betroffene sind je nach Allergie einige Wochen bis mehrere Monate im Jahr oder sogar permanent durch die übermäßigen Immunreaktionen des eigenen Körpers belastet.

Urlaub Allergiker Pollen. © Panthermedia
Allergiker leiden in der Pollenzeit unter starken Beschwerden. Eine pollenarme
Urlaubsregion kann jedoch für Entspannung sorgen.

Foto: © Panthermedia

Für Heuschnupfengeplagte ist die Organisation des eigenen Urlaubs eine Herausforderung. Denn die Pollen der Bäume, Sträucher, Gräser, Kräuter und des Getreides fliegen länderspezifisch zu abweichenden Zeiten in unterschiedlichen Konzentrationen – abhängig vom Klima der Urlaubsregion. Jedoch stellt die Aussicht auf eine symptomfreie Erholungsphase in der richtigen Urlaubsregion eine Möglichkeit zur Flucht vor den krankmachenden Allergenen dar.

Welche Urlaubsregionen in Deutschland eignen sich für Allergiker?

In Deutschland fliegen die Pollen nahezu ganzjährig. Hasel, Erle, Esche, Birke, Gräser, Roggen und Beifuß zählen zu den allergologisch wichtigsten. Die Konzentration des Blütenstaubs ist aufgrund der Blütezeit der heimischen Obst- und Laubbäume in den Frühlings- und Sommermonaten am höchsten. Manchmal fliegen bis in den Herbst hinein die letzten Gräserpollen. Ab Dezember beziehungsweise Januar schließt die Haselnussblüte an. Der Beginn der jeweiligen Blütezeit richtet sich vor allem danach, wie kalt und lang der vorherige Winter ausfiel. Ein milder Winter zieht meist eine früh einsetzende Pollenzeit nach sich. Ein langer und harter Winter bedeutet hingegen eine späte Blüte mit insgesamt weniger Pollen.

Einen Überblick über die Blütenstaubbelastung in Deutschland gibt es in diesem Pollenflugkalender:

Urlaub am Meer

Urlaub Allergiker Pollen Küste Meeresluft. © Panthermedia
An Küstenregionen und auf den Inseln Deutschlands können Allergiker
dank pollenfreier Meeresluft durchatmen.

Foto: © Panthermedia

Die Nord- und Ostseeinseln sind gute Urlaubsorte für Allergiker in Deutschland. Helgoland gilt als nahezu pollenfrei. Auch die ostfriesischen Inseln Borkum und Norderney sind zu empfehlen, ebenso die in der südlichen Ostsee gelegene Insel Usedom. Auf diesen Inseln wehen die Winde meistens vom Meer her, sodass es kaum Pollen in der Luft gibt. Zudem ist die Luft an der Küste und auf den deutschen Inseln salz- und jodhaltig, was sich beruhigend auf Atemwege und Haut auswirkt.

Ferien im Gebirge

Für alle anderen Regionen Deutschlands gilt: je höher der Ort liegt, desto geringer ist die Pollenkonzentration. Im Hochgebirge, ab 1.500 Meter über dem Meeresspiegel, genießen Allergiker eine fast pollenfreie Luft. Das liegt daran, dass die Blütezeit in dieser Höhe nur sehr kurz und die Konzentration der Allergene in der Luft entsprechend gering ist. Die Gräserblüte dauert dort zum Beispiel kaum länger als zwei Wochen, kann aber mitunter intensiv ausfallen. Ab Ende Juni ist das Hochgebirge im Allgemeinen eine pollenfreie Zone. Wer also klare Bergluft ohne Niesanfälle erleben möchte, dem sei in Deutschland beispielweise zu einem Urlaub in der Alpenregion geraten. Gleiches gilt für Haustaubmilbenallergiker. Die Hausstaubmilbe ist in kühlen und trockenen Höhenlagen über 1.800 Metern nicht mehr lebensfähig. Ab 1.500 Metern nimmt die Milbenzahl bereits spürbar ab. Zudem soll der niedrige Luftdruck einen positiven Effekt auf das Immunsystem und die Abwehrkräfte haben.

Allergikerfreundliche Urlaubsländer Europas

In den Ländern Europas herrschen unterschiedliche klimatische Bedingungen, sodass die Flugzeiten der einzelnen Pollen variieren. Generell gilt, dass die Blüte im Süden Europas meist einen Monat früher beginnt als in Deutschland und in Mitteleuropa. Im Norden ist die Hauptflugzeit der Pollen hingegen um etwa einen Monat verzögert.

Bestimmte Pollenarten sind im Ausland vermindert oder gar nicht anzutreffen, da sich die Vegetation in diesen Ländern teilweise von der in Deutschland unterscheidet. Dies ist unter anderem für Birkenpollenallergiker interessant, die beispielsweise in südwesteuropäischen Ländern wie Spanien sowie im italienischen und kroatischen Mittelmeerraum eine größtenteils beschwerdefreie Zeit erleben können. In diesen Regionen gibt es sehr wenige Birken. Schlecht sehen die Aussichten hingegen in Südskandinavien aus. Dort ist die Verbreitung von Birken am höchsten in Europa. Allerdings gibt es in Nordeuropa weniger Kräuterpollen als in Deutschland, wie beispielsweise Beifuß.

Kritisch wird aktuell die Verbreitung der Beifuß-Art Ambrosia sowie des Brennnesselgewächses Glaskraut beobachtet. Die beiden hochallergenen Pollenarten stammen ursprünglich aus Südeuropa, breiten sich jedoch nach Norden hin aus. Wer gegen Brennnesselkraut allergisch ist, sollte in Italien und Spanien vorsichtig sein, da das Glaskraut als Unterart der Brennnessel ebenfalls eine Allergie auslösen kann. Es ist dort verbreiteter ist als die in Deutschland heimischen Arten. Außerdem kann es vorkommen, dass der Körper bei längeren Aufenthalten in anderen Ländern eine Allergie gegen die fremden, neuartigen Pollen entwickelt.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen europäischen Ländern ist die salzhaltige Luft der Küstenregionen gut für Pollenallergiker. Besucher von Inselgruppen wie beispielsweise den kanarischen Inseln oder den Kykladen genießen neben der schönen Landschaft auch die meist vom Meer kommende pollenfreie Luft. Hausstaubmilbenallergiker sollten hingegen warme Gebiete mit feuchter Meeresluft meiden, da diese die Hausstaubmilbenpopulation begünstigen.

Wer es bergig mag und in Sachen Heuschnupfen und Hausstaubmilbenallergie auf Nummer sicher gehen möchte, sollte einen Aufenthalt in den bergigen Regionen Österreichs buchen.

Pollenflug weltweit

Ferne Länder auf anderen Kontinenten weisen meist eine völlig andere Vegetation mit anderen Blüteperioden auf als Deutschland. Mit dem Klimawandel sind jedoch immer mehr Reiseziele für Pollenallergiker beschwerlich geworden. Wie auch in Europa sollten Allergiker bei weltweiten Reisezielen auf bergige oder küstennahe Regionen setzen.

Urlaub Allergiker Pollen Gebirge. © Panthermedia
In gebirgigen Regionen ab 1.500 Metern Höhe können Allergiker eine nahezu
beschwerdefreie Zeit erleben.

Foto: © Panthermedia

Beispielsweise bietet Indonesien eine ideale Vegetation und Geografie für Blütenstaub-Allergiker. Dort sorgen nicht nur das maritime Klima und die Meeresluft, sondern auch Erhöhungen bis weit über 4.000 Meter für pollenfreies Durchatmen. Auch andere Inseln wie Madagaskar und Neuseeland sowie Karibische Inseln wie Kuba und Jamaika weisen durch ihre Lage gute Bedingungen für Pollenallergiker auf. Zudem bieten sie unterschiedliche klimatische Bedingungen und kulturelle Bereicherungen für jeden Geschmack.

Generell unterscheidet sich die Pflanzenwelt auf anderen Kontinenten sehr von der in Europa. Die USA allein haben zum Beispiel derart viele unterschiedliche Klima- und Vegetationszonen, dass ein Allergiker schon in zwei nebeneinander liegenden Bundesstaaten unterschiedlich stark auf den Blütenstaub reagieren würde. Auch in Asien hat die Pflanzenwelt ihre Besonderheiten. Die dort heimischen und weit verbreiteten Zypressen und Zedern lösen nur selten eine Allergie bei Europäern aus. Grundsätzlich ist bei Reisezielen auf der Südhalbkugel der Erde zu beachten, dass dort die Jahreszeiten verschoben sind: Pollen fliegen in diesen Regionen überwiegend in den Monaten Oktober bis Februar.

Tipps für Allergiker während der Urlaubszeit

Ein allergiefreier Urlaub lässt sich nicht garantieren. Wer sich gut vorbereitet und ein allergikerfreundliches Reiseziel wählt, leidet manchmal trotzdem unter den Symptomen. Vor dem Antritt des Urlaubs sollten Allergiker mit sehr starken Beschwerden einen Arzt, vorzugsweise einen speziell geschulten Allergologen, aufsuchen und sich die Eignung zur Reise bestätigen lassen. Eine gut ausgestattete Reiseapotheke ist ebenfalls empfehlenswert. Bei Reisen in fremdsprachige Länder empfiehlt es sich, wichtige Stichworte bezüglich der Allergie in der Landessprache zu notieren, um im Notfall ein entsprechendes Antiallergikum kaufen zu können.

Pollenallergiker sollten sich stets vor Allergenen schützen und beispielsweise Autofenster und die Lüftung geschlossen halten bis ein pollenfreies Gebiet erreicht ist. Zudem hilft es, die Kleidung nach einem Tag im Freien zu wechseln und die Haare zu waschen. Eine minimale Pollenbelastung kann auch in vermeintlich unbelasteten Regionen bestehen. Generell ist eine Pollenallergie bei trockenem Wind am schlimmsten und an feuchten Tagen am wenigsten spürbar. Wer seinen Urlaub an der Meeresküste verbringen möchte, sollte vor der Buchung bei einem Wetterdienst überprüfen, von welcher Richtung der Wind kommt. Weht der Wind vom Land zum Meer, kann eine Pollenbelastung auftreten. In diesem Fall wäre es besser, sich ein anderes Reiseziel zu suchen. Empfehlenswert sind Küstenregionen, bei denen der Wind vom Meer her kommt.

Die Pollenflugzeiten variieren in den verschiedenen Regionen zum Teil von Jahr zu Jahr. Vor der Reiseplanung sollten Allergiker sich also ausreichend über die aktuellen klimatischen Bedingungen und Blütezeiten im gewünschten Urlaubsgebiet informieren. Zudem ist es vor der Reise sinnvoll, den Pollenflug noch einmal kurzfristig über den Wetterbericht zu prüfen.

Haustaubmilbenallergiker sollten sichergehen, dass die Unterkunft den Allergieansprüchen entspricht. Eine Ferienwohnung mit Polstermöbeln und Teppichböden eignet sich beispielsweise nicht für starke Hausstaubmilbenallergiker. Grundsätzlich empfiehlt es sich, Allergiker-Bettwäsche mitzunehmen. Diese verhindert aufgrund eines speziellen, allergendichten Stoffes den Kontakt mit Hausstaubmilben in Matratzen und Bettzeug. Zudem sollten Hausstaubmilbenallergiker ihren Urlaub – wenn möglich – nicht in den Herbst legen. Zu diesem Zeitpunkt stirbt ein Großteil der Milben und setzt besonders viele Allergene frei. Ventilatoren und Lüftungssysteme sollten Allergiker meiden oder ausschalten.

© Immowelt AG 2018   ® Marktplatz für Ferienhäuser und Ferienwohnungen

Feedback abgeben